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Rezension: Jede(r) lernt für sich allein?

Weitere Autoren: Henrik Dindas

Wie beeinflusst die Motivation einzelner Studierender eigentlich die Motivation ihrer Mitlernenden – und was können Lehrende tun, wenn Motivation oder Demotivation innerhalb einer Lerngruppe „überspringt“? Dieser Frage widmet sich Prof. Dr. Irina Slot (bbw Hochschule) in ihrer 2026 erschienenen Publikation Jede(r) lernt für sich allein? Hochschuldidaktische Antwort auf den Spill-Over-Effekt in Bezug auf die Motivation der Lernenden. Das Buch ist im Selbstverlag über Amazon Kindle Direct Publishing erschienen (ISBN 9798197995773).

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Lernmotivation zwar individuell ist, Lernen an Hochschulen aber keineswegs isoliert stattfindet. Slot richtet den Blick deshalb insbesondere auf die bislang vergleichsweise wenig betrachtete Frage, wie sich Motivation innerhalb von Lerngruppen überträgt. Als „Spill-Over-Effekte“ bezeichnet sie dabei positive wie negative Einflüsse, die von der Motivation der Peers auf die Motivation einzelner Lernender ausgehen. Ziel des Buches ist es, diese Prozesse zunächst theoretisch einzuordnen und daraus anschließend konkrete hochschuldidaktische Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.

Der erste Teil führt dazu in motivationspsychologische und gruppendynamische Grundlagen ein und diskutiert unter anderem intrinsische und extrinsische Motivation, Erfolgsorientierung und Misserfolgsangst sowie die Bedeutung von Peers und Lehrenden für das Motivationsgeschehen. Dabei greift die Autorin neben einschlägiger Literatur auch auf eigene quantitative und qualitative Untersuchungen sowie Erfahrungen aus der Hochschullehre und hochschuldidaktischen Weiterbildung zurück. Ein zentraler Gedanke ist, Motivationsheterogenität nicht lediglich als individuelles Merkmal Studierender, sondern als dynamisches Geschehen innerhalb von Lerngruppen zu verstehen.

Besonders praxisorientiert sind die anschließenden Kapitel, in denen mit Lernen durch Lehren (LdL), Design Thinking und dem Lernprojekt drei Ansätze ausführlicher vorgestellt und daraufhin betrachtet werden, wie sie positive motivationale Spill-Over-Effekte unterstützen und negative Effekte begrenzen können. Das Buch verbindet damit motivationspsychologische Überlegungen mit konkreten Fragen der Gestaltung von Gruppenarbeit, Feedback, Prüfungen und Lehr-Lern-Prozessen. Die Methoden versteht die Autorin ausdrücklich nicht als abschließenden Kanon, sondern als exemplarischen „Methodenkoffer“, der Lehrende dazu anregen soll, auch das eigene didaktische Repertoire unter dem Gesichtspunkt motivationaler Heterogenität zu reflektieren.

Im Fazit plädiert Slot entsprechend dafür, motivationale Unterschiede in Lerngruppen nicht beseitigen zu wollen, sondern sie als veränderliche Rahmenbedingung von Hochschullehre wahrzunehmen und didaktisch produktiv zu bearbeiten. Lehrende erscheinen dabei weniger als diejenigen, die Motivation unmittelbar „herstellen“, sondern stärker als Beobachtende und Gestaltende von Lernumgebungen, die durch geeignete Aufgaben, Methoden, Gruppenstrukturen und Reflexionsgelegenheiten Bedingungen für motiviertes Lernen schaffen können.

Das Buch richtet sich insbesondere an Hochschullehrende, Hochschuldidaktiker:innen sowie Personen aus Studiengangsentwicklung, Hochschulverwaltung und hochschuldidaktischer Weiterbildung und bietet einen praxisnahen Impuls für die Auseinandersetzung mit Motivation als sozialem und gruppendynamischem Phänomen.

Slot, Irina (2026): Jede(r) lernt für sich allein? Hochschuldidaktische Antwort auf den Spill-Over-Effekt in Bezug auf die Motivation der Lernenden. Self-Publishing/Amazon Kindle Direct Publishing. ISBN 9798197995773.

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